Nachbericht zum DIO Event am 13.09.2022 

Wir alle, die mit Daten arbeiten, hören früher oder später diverse Kürzel für Konnektoren oder andere Softwarekomponenten im Dunstkreis von Gaia-X: EDC, IDS, DSC, MVG, GXFS. Für alle, die mit Data Spaces arbeiten wollen, stellt sich natürlich früher oder später die Frage, welches Tool man verwenden soll, wo die Vorteile der jeweiligen Komponenten liegen, u.v.m.  

Diese Fragen waren Ausgangspunkt des DIO-Events (Data) Space Tools. Sebastian Opriel (CTO & Co-Founder I Sovity GmbH), Matthias Buchhorn-Roth (Data Spaces Architect I Microsoft), Kai Meinke (Co-Founder & Business Lead I deltaDAO AG) und Emma Wehrwein (Project Manager Digital Business Models I eco – Verband der Internetwirtschaft) gaben Impulse zu DSC/IDSC, EDC, MVG und GXFS und stellten sich den Fragen der über 40 Teilnehmer:innen.  

Das Event war – so die Konsens der Community – das erste seiner Art und daher dringend notwendig, da bislang noch nie die verschiedenen Ökosysteme und Infrastrsukturen vereint auf einer Bühne präsentiert wurden.   

The long road to Data Spaces

Data Spaces wie wir sie heute kennen, haben zahlreiche Initiativen und Vorläufer(projekte), wie beispielsweise Data Market Austria. Ein wichtiger Meilenstein ist die 2014 von Allan Hanbury et al. verfasste Technologie-Roadmap Conquering Data in Austria. Mittlerweile gibt es erste reale Outcomes, im Falle der DIO beispielsweise den Data Spaces Tourismus mit einem Use Case zu Besucher:innenstromlenkung. 

Plattformen und Konnektoren – wie wir sie heute besprechen – sind auschlaggebende Faktoren für die Arbeit in Data Spaces. Aber wir benötigen nicht nur die Technologie selbst, sondern auch eine Reduktion von Komplexitäten, um allen die Möglichkeit zu geben, teilzunehmen. Neben der technischen und der Business-Perspektive darf auch die Data Governance von Data Spaces nicht außer Acht gelassen werden. Hier bieten beispielsweise die Europäische Datenstrategie, der Data Governance Act oder Domän-spezifische Rahmenbedingungen wie das IVS-Gesetz Leitlinien.   

DSC, EDC, MVG und GXFS

Der Dataspace Connector (DSC), initiiert von Fraunhofer ISST, dient aktuell als Referenz-Konnektor im Testbed der International Data Spaces Association (IDSA). Mit 2022 hat Sovity GmbH die Betreuung des DSC übernommen. “Für alle, die DSC testen wollen – Sovity stellt gerne Konnektoren zum zweiwöchigen Test bereit”, bietet Sebastian Opriel an.  

Button: DSC über GitHub (open source) (Link: https://github.com/International-Data-Spaces-Association/DataspaceConnector) 

Die Funktionalitäten des DSC umfassen die Verknüpfung von Datenquellen und -trägern, den Datenaustausch zwischen IDS Konnektoren, HTTP Multipart und IDSCP Protokollen, der Nutzung von IDS Apps und der Durchsetzung einer Usage Control. Den DSC kann man über ein Frontend, via Swagger-API oder via CURL/Postmann/etc. ausführen.  

Screenshot Darstellung DSC

Screenshot Darstellung DSC

Ein wichtiger Aspekt, den Sebastian Opriel hervorhebt, sind die Policies, die der DSC bietet. Also zu welchen Bedingungen meine Daten verwendet werden dürfen. Der DSC bietet z. B. die Option des Connector-restricted Data Usage (auf welchen Konnektoren dürfen meine Daten verwendet werden), Interval-restricted Data Usage (in welchen Zeiträumen dürfen meine Daten verwendet werden), oder Restricted number of Usage (wie oft dürfen Daten verwendet werden).  

Wie kann ich den DSC testen?  

  • Quellcode runterladen und Frontend runterladen –> über GitHub   
  • Testbed (IDSA) – ist schon fertig konfiguriert, hier ist ein Testen möglich. Das Frontend muss separat gestartet werden.   
  • Sovity bietet Konnektoren für eine bestimmte Zeit zum Testen an. 
Präsentation Sebastian Opriel I DSC

“Wir müssen für einen souveränen Datenaustausch mehr Dezentralisieren und brauchen mehr Standards”

Der Eclipse Dataspace Connector (EDC), vorgestellt von Matthias Buchhorn-Roth, versucht neue Implementierungen zu schaffen, die sowohl die Vorreiteraktivitäten der IDSA als auch Gaia-X berücksichtigen. Wichtig hierbei sei der Fokus auf die Verwendung etablierter Standards wie W3C, CNCF, DCAT, ODRL, IDSA, GAIA-X etc. Hier gelte es auch zukünftig an einem Strang zu ziehen und gemeinsame Protokolle zu entwickeln, betont Matthias Buchhorn-Roth.  

Die Vision des EDC beschreibt Buchhorn-Roth so: “Enable all customers to share data with a sovereign and decentralized approach. In various ecosystems independed of technical infrastructures”. Der EDC folgt den Reference Implementation von IDSA RAM 4.0, ist Open Source auf GitHub verfügbar, frei von Intellectual Property Rights, und wird in GAIA-X Projekten wie Catena-X oder SafeFBDC verwendet. Es gibt momentan einen funktionierenden Prototypen für einen Datenraum – also einen Minimal Viable Dataspace. EDC hat ein flexibles, modulares System. Die Module können ausgetauscht, es können benutzerdefinierte Module erstellt und vorhandene Module erweitert werden – vollständig dezentralisiert oder teilweise zentralisiert.  

Präsentation Matthias Buchhorn-Roth I EDC

Gaia-X Web3 Ecosystem

“Warum braucht es überhaupt einen Data Mesh wie Gaia-X?”, eröffnet Kai Meinke seinen Impuls. Die Gründe sind vielfältig:  

  • Availability. Die meisten wertvollen Daten sind in einem Datennetz nicht verfügbar, weil man befürchtet, die Kontrolle über vertrauliche oder wertvolle Informationen zu verlieren. 
  • Trust Framework. Die Verwaltung und Erkennung wertvoller Daten ist heute kostspielig. Uns fehlt ein vertrauenswürdiger, skalierbarer und sicherer Rahmen.  
  • Utility. Die meisten Daten sind nicht produkt- oder prozessbezogen. Es ist zeitaufwendig, komplex und kostspielig, wertvolle Lösungen zu erstellen. 
  • Lock-In. Der Markt ist durch starke Lock-In-Effekte und hohe Konzentration/Zentralisierung gekennzeichnet.  
  • Potential. Wir machen nicht das Beste aus der erneuerbaren und unendlichen Ressource, die Daten sind. 
Gaia-X Roadmap

Gaia-X Roadmap © DeltaDAO

MVG liegt im Zeitplan der Gaia-X Roadmap. Anfang nächsten Jahres sollen Data Space spezifische Marktplätze geschaffen werden. In den letzen Monate lag die Konzentration auf der Implementierung des TRUST-Frameworks, da eine Vertrauensbasis das A und O beim Thema Datenaustausch ist. Der Web3 Ecosystem Demonstrator kann über den folgenden Link abgerufen werden: https://portal.minimal-gaia-x.eu/. Weitere Informationen dazu bietet außerdem das Projekt EuProGigant. Den aktuellen Stand der verschiedenen Komponenten können Sie der Grafik entnehmen und hier nachlesen 

GXFS und Web3.0 Ecosystem Demonstrator

GXFS und Web3.0 Ecosystem Demonstrator: licensed under CC-BY-4.0, deltaDAO AG

Die Besonderheiten des Gaia-X Web3 Ecosystems sind einerseits, dass die Daten nicht übertragen werden, sondern eine Option der vollständigen technischen Kontrolle, um die Daten zu behalten geboten wird. Außerdem besteht die Möglichkeit von Compute-to-edge, d. h. die Technologie kommt ohne Cloud aus. Gaia-X Compliance kann überdies validiert und verifiziert werden, um den schon angesprochenen Vertrauensproblematiken vorzubeugen.  

Präsentation Kai Meinke I Gaia-X Web3 Ecosystem

Gaia-X Federation Services – die GXFS Toolbox

Das konzeptionelle Modell von Gaia-X ermöglicht und fördert als konzeptionelle Komponente die Bildung von sogenannten Gaia-X-Föderationen. Solche Föderationen sind selbstbestimmte Ökosysteme, in denen sich einzelne Teilnehmer:innen zusammenschließen. Eine Föderation bezieht sich auf eine lose Menge von interagierenden Teilnehmenden, die direkt oder indirekt zusammenhängende Service-Instanzen konsumieren, produzieren, betreiben oder anbieten.  

Die sogenannten Federation Services wiederum sind als die Implementierung eines Werkzeugkastens (Toolbox) zu sehen, der die technischen Mindestanforderungen erfüllt, damit eine Föderation einsatzfähig wird. Die ersten Schlüsselbereiche sind Identity and Trust, ein Federated Catalogue, Data Sovereignty Services und Compliance Services. Wichtig sei, dass man bei GXFS kein fertiges Produkt erwarte. Es sei ein erster Code als Kick-Start, auf dem dann aufgebaut werde, betont Emma Wehrwein. Demos seien erwartbar für Q1 2023. Informationen über die GXFS Software Komponenten können über GitHub abgerufen werden: https://gitlab.com/gaia-x/data-infrastructure-federation-services.  

Präsentation Emma Wehrwein I GXFS

Ein Rat der Speaker:innen – “Legt los!” 

Die Sprecher:innen waren sich einige: es gelte jetzt loszulegen und gebe keinen Grund noch zu warten. Man solle die Angst vor den ersten Deployment überwinden, die Beobachter:innen-Rolle verlassen und die Chance nutzen, jetzt einzusteigen.  “Befasst euch damit hier strategisch zu investieren, das Know-How aufzubauen. Data Spaces müssen verstanden werden. Man muss sich damit auseinandersetzen was Tools & Code angeht. Nicht abwarten. Verschlaft nicht den Eintritt in diese Welt der Data Spaces.”, schloss Sebastian Opriel.     

Wer sich für die Weiterentwicklung der Tools interessiert, dem können wir neben den GitHub Links auch den nächsten Gaia-X Hackathon (26.-27. September) ans Herz legen.  

Sie interessieren sich für aktuelle Entwicklungen im Bereich Data Spaces? Werden Sie Teil davon!

Was in der Realität umgesetzt wird, können Sie außerdem bei unserem nächsten Event „Data Economy in Practice – a glimpse of reality“ am 23.09. (live in Wien) verfolgen. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Ihnen!  

Sollten Sie Interesse an der Aufzeichnung des Workshops haben, schreiben Sie uns eine E-Mail: office@dataintelligence.at.